CLASSICS

Wilhelm Maybach:
175. Geburtstag des
Königs der Konstrukteure

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  • Der Weggefährte von Gottlieb Daimler wird am 9. Februar 1846 geboren
  • In Frankreich erhält er den Ehrennamen „König der Konstrukteure“
  • Mit zahlreichen Erfindungen und Entwicklungen prägt Maybach das moderne Automobil

Am 9. Februar 1846 wird vor 175 Jahren Wilhelm Maybach in Heilbronn geboren. Der zweitälteste Sohn eines Schreiners wird die Entwicklung des Automobils prägen. Das gilt insbesondere für die Zeit als Weggefährte von Gottlieb Daimler bis zu dessen Tod im Jahr 1900. Maybach besitzt eine herausragende technische Begabung. Seine Erfindungen tragen maßgeblich dazu bei, die visionären Gedanken Daimlers für die motorisierte Mobilität mit Verkehrsmitteln verschiedenster Art Wirklichkeit werden zu lassen. Heute lebt sein Name auch in der Marke Mercedes-Maybach fort.

Augustus Wilhelm Maybach, wie der Junge mit vollem Namen heißt, kommt als zweitältester Sohn des Schreiners Carl Maybach in Heilbronn zur Welt. Anfang der 1850er-Jahre zieht die Familie nach Stuttgart. Dort erlebt Maybach schwere Schicksalsschläge: 1854 stirbt seine Mutter, nur zwei Jahre später verliert er auch seinen Vater. Freunde der Familie suchen unter anderem mit einer Zeitungsannonce im „Stuttgarter Anzeiger“ vom 20. März 1856 nach einer Möglichkeit, die Vollwaisen zu versorgen. Wilhelm Maybach wird vom Bruderhaus in Reutlingen aufgenommen, einer Gründung des evangelischen Theologen Gustav Werner und dessen Frau Albertine. Zum Bruderhaus gehören sogenannte Rettungsanstalten für Waisenkinder, Schulen und Fabriken.

Vom Konditor zum Konstrukteur

Zunächst soll Wilhelm Maybach im Bruderhaus den Beruf des Bäckers und Konditors erlernen. Doch Pfarrer Werner erkennt die große technische Begabung des Knaben und fördert ihn. So beginnt Maybach 1861 eine Lehre im Zeichenbüro der Maschinenfabrik und besucht in der städtischen Fortbildungsschule Unterricht in Physik und Freihandzeichnen sowie später auch Mathematik in der Oberschule. Zudem erhält er vor Beginn seiner Arbeitstage Unterricht in Englisch und Französisch. Gustav Werner engagiert 1863 den 29 Jahre alten Ingenieur Gottlieb Daimler als Inspektor der Vereinigten Werkstätten des Bruderhauses.

Daimlers Arbeit in Reutlingen markiert den Beginn einer fruchtbaren Partnerschaft. Denn der Werkstätteninspektor erkennt und unterstützt die Fähigkeiten Maybachs. Da ist es nur konsequent, dass der junge Konstrukteur im September 1869 Daimler folgt, als dieser Vorstand der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe wird. Maybach arbeitet dort im Konstruktionsbüro. Der nächste Arbeitgeber- und Ortswechsel der beiden steht 1872 an: Daimler wird Vorstand der Gasmotoren-Fabrik Deutz AG. Das Unternehmen ist als Aktiengesellschaft im selben Jahr von Nicolaus August Otto und den Unternehmerfamilien Langen sowie Pfeiffer gegründet worden.

Maybach begleitet Daimler erneut und wird 1873 Leiter der Konstruktionsabteilung in Deutz. Er arbeitet daran, Ottos Viertaktmotor produktionsreif zu machen. Bereits 1875 unternimmt er Versuche mit flüssigem Kraftstoff an einem umgebauten Gasmotor. Im Auftrag von Deutz reist Maybach 1876 in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei knüpft er über seinen älteren Bruder Karl Kontakte zum Klavierbauunternehmen Steinway & Sons. Gottlieb Daimler wird sich 1888 gemeinsam mit Steinway den nordamerikanischen Markt erschließen.

Daimlers Visionen und Maybachs Erfindungen

Daimler verfolgt bereits in Deutz die Vision eines kompakten, schnell laufenden Verbrennungsmotors auch als Fahrzeugantrieb. Doch diese Vorstellungen lassen sich in dem Unternehmen nicht verwirklichen. Mitte 1882 scheidet Daimler aus der Gasmotoren-Fabrik Deutz aus und macht sich in Cannstatt bei Stuttgart selbstständig. Mit Wilhelm Maybach hat er bereits im April 1882 einen Anstellungsvertrag geschlossen.

Maybach und Daimler setzen hier den Traum des Automobilpioniers einer Motorisierung der Mobilität „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ um: Ab 1882 entstehen in Daimlers Anwesen in der Taubenheimstraße 13 die ersten schnell laufenden Benzinmotoren – aufgrund ihres Aussehens „Standuhr“ genannt – und mit ihnen das erste Motorrad der Welt („Reitwagen“, 1885), das erste Motorboot der Welt (1886) und schließlich das erste vierrädrige Automobil der Welt (Daimlers Motorkutsche, 1886). Später folgen Antriebe für Schienenfahrzeuge (Daimler Motor-Waggonet, 1887) und das Wölfertsche Motor-Luftschiff (1888).

Maybach bringt mit Konstruktionen wie dem Viergang-Zahnradwechselgetriebe mit verschiebbaren Zahnrädern und dem Zweizylinder-V-Motor (von Peugeot ab 1890 in Lizenz gebaut) die junge Automobiltechnik weiter voran. Selbst vom Zwist zwischen Daimler und dem von ihm gegründeten Unternehmen Anfang der 1890er-Jahre lässt sich der Erfinder nicht aufhalten: Im gemieteten Gartensaal des Hotels Hermann entwickelt er den „Phoenix“-Reihenzweizylindermotor sowie den Spritzdüsenvergaser. Der Phoenix-Motor ist so erfolgreich, dass internationale Lizenznehmer 1895 die Rückkehr von Daimler und Maybach in die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) durchsetzen.

frank.muehling@daimler.com
  • Kommunikation Mercedes-Benz Classic
ralph.wagenknecht@daimler.com
  • Kommunikation Mercedes-Benz Classic
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